RFID lohnt sich

Eine interessante Studie haben GS1 Großbritannien und das ECR Institut vorgelegt. Prof. em. Adrian Beck von der Universität Leicester hat die detaillierten Erfahrungen von zehn Einzelhandelsunternehmen ausgewertet, die in  RFID-Technologie investiert haben: Aus welchem Grund hat man investiert? Welche Ergebnisse hat man erzielt? Welche Lehren – positiv oder negativ – konnte man schlussendlich ziehen?

Die meisten der teilnehmenden Unternehmen waren Bekleidungshändler, die  kleine und komplexere RFID-Systeme einführten. Insgesamt haben diese Unternehmen einen Gesamtumsatz von rund 94 Milliarden Euro pro Jahr und verwenden jährlich rund 1,870 Milliarden RFID-Tags. Das sind immerhin etwa 60 Tags pro Sekunde.

Die Ziele

Hauptziel der Investition in RFID war es, die Transparenz und Genauigkeit der Bestände zu verbessern um damit den Umsatz zu steigern. Die Befragten erkannten das Potenzial von RFID, um ihre Lagerhaltung zu optimieren, den Kapitaleinsatz zu reduzieren und schließlich die Produktivität der Mitarbeiter zu steigern. Die meisten Unternehmen betrachteten RFID als ein wichtiges Instrument, um die Menge der Artikel zu reduzieren, die nur mit Preisabschlägen zu verkaufen sind. Auch die Steigerung von Innovationskraft und Unternehmenseffizienz war ein wichtiges Ziel. RFID sollte also als Mittel zur organisatorischen Verbesserung von Abläufen dienen und als Schlüsselfaktor für die Vernetzung der Verkaufskanäle: „ein profitables Omni-Channel-Erlebnis für den Verbraucher“.

Die Ergebnisse

Sieben der zehn Fallstudien zeigten eine Umsatzsteigerung im Bereich von 1,5% bis 5,5%.  Bei Artikeln, die von RFID-Systemen als vergriffen identifiziert wurden, war das Wachstum sogar noch höher. Basierend auf diesen Daten dürften die an der Studie beteiligten Unternehmen einen RFID-gesteuerten Umsatzanstieg zwischen 1,4 und 5,2 Milliarden Euro realisiert haben.

Verbesserte Bestandsgenauigkeit: Die Unternehmen hatten typischerweise eine Verbesserung zwischen 65%-75% im unteren Bereich und bis zu 93%-99% in der Spitze.  Einige der teilnehmenden Unternehmen stellten nach Einführung von RFID eine Verfügbarkeit von Artikeln im Bereich um 90% fest. Die Hälfte der Fallstudienunternehmen stellten Daten zur Bestandsreduzierung zur Verfügung und meldeten hier eine Reduktion zwischen 2 % und 13 %. Ein Unternehmen berichtete über eine Reduktion von Inventurdifferenzen und Warenschwund um 15%. Ein Unternehmen hatte eine Einsparung in Höhe von 4% der Personalkosten seiner Filialen gemessen, die hochgerechnet auf alle 10 teilnehmenden Unternehmen immerhin eine Summe von rund 378 Millionen Euro ausmachen würde. Alle 10 Unternehmen waren sich einig, dass der ROI erreicht wurde. Die Investition hat sich also gelohnt und basierend auf ihren Erfahrungen aus der Erprobung wurde die weitere Einführung im gesamten Unternehmen voll und ganz gerechtfertigt und vom Rest des Unternehmens mit viel Enthusiasmus und Optimismus aufgenommen.

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Geschäftsleitung muss mitmachen

Die Rolle der Geschäftsleitung wurde sowohl bei der Einführung als auch bei der Umsetzung als sehr relevant eingestuft. Ohne eine aktive Unterstützung und Anerkennung auch der finanziellen Notwendigkeiten wäre folglich keines der Projekte gestartet worden. Der RFID-Projektleiter war in der Regel die Person, die für die Regalverfügbarkeit und richtige Bestandsführung verantwortlich war. Dabei spielte keine Rolle, wo sie innerhalb der Unternehmenshierarchie stand.

Die Befragten haben deutlich gemacht, wie wichtig es ist, dass die RFID-Projekte die meisten Einzelhandelsfunktionen umfassen. Viele betrachteten es als eine ihrer größten Herausforderungen, ein Verständnis dafür zu entwickeln wie sich RFID auf das Geschäft auswirken wird. Die Durchführung einer detaillierten Prozessanalyse und die genaue Kenntnis darüber, wie sich die Produkte durch die Lieferkette bewegen, wurde ebenso als entscheidend angesehen wie die Bewertung der Auswirkungen, die das Umfeld auf die Funktion der Technik hat und wie die Integration in die bestehenden Systeme abläuft.

Datenmäßige Integration wichtig

Mit Abstand das größte Problem, mit dem sich diese Unternehmen auf ihrem Weg zu RFID konfrontiert sahen, war die heikle Frage der Integration mit bestehenden Datenverarbeitungssystemen. Zukünftigen Anwendern rät man, die Integration nicht nur ernst zu nehmen, sondern sehr früh im Prozess darüber nachzudenken, inwieweit man neue und bestehende Datensysteme miteinander verbinden will.

Nahezu alle an dieser Untersuchung beteiligten Unternehmen hatten sich zu Beginn ihrer RFID-Reise beraten lassen. RFID-Beratungsunternehmen, Technologieanbieter, andere Einzelhändler und Organisationen standen hier zur Verfügung. Auch Organisationen, die gemeinsame Standards entwickeln wie beispielsweise GS1, sind dabei besonders wichtig. Die meisten Unternehmen hatten einen umsichtigen, bescheidenen und sehr preisbewussten Ansatz bei Auswahl und Nutzung ihrer RFID-Technologien gewählt. Das Mantra lautete „Keep it simple and highly focussed“ – also sinngemäß: „Einfach halten – Fokussiert bleiben“.

Jeder einzelne Tag kann gelesen werden – auch wenn die Ware gestapelt im Regal liegt

Etiketten und Hardware zuverlässig

Kein Unternehmen hatte Probleme mit der Zuverlässigkeit der gewählten Etiketten. Ein wichtigerer Punkt war stattdessen die stabile Befestigung des Etiketts an der Ware. Und darüber hinaus eine Optimierung der Position auf dem Produkt.

Alle 10 beteiligten Unternehmen hatten sich für eine langfristige Strategie entschieden. Schon die Hersteller bringen die RFID-Etiketten an der Ware an. Alle  waren sich auch einig darin, wie wichtig Normen bei der Einführung sind. Ohne sie dürfte es in Zukunft schwierig sein, Innovationen zu entwickeln. Standards sind gleichzeitig der Schlüssel zur Verringerung von Fehlern in der Lieferkette. Und darüber hinaus verringern Sie auch die Bindung an einen bestimmten Anbieter.

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Tipps für die Einführung zu bedenken

Wir können hier nur einige wenige Ergebnisse der Studie darstellen. Sie ist mit einem Umfang von fast 50 Seiten sehr detailliert und steht bei GS1 UK zum Download zur Verfügung. Sie enthält auch noch eine Menge Hinweise bezüglich der Einführung von RFID-Systemen. Und gibt auch einen Ausblick auf interessante Entwicklungen und Einkaufserlebnisse durch den Einsatz der RFID-Technik. Der „Magic Mirror“ ist nur ein Beispiel.

Weitere Informationen: GS1 UK

Kurt Hoppen

seit über 30 Jahren bei Bluhm Systeme und an allen Dingen rund um Kennzeichnungstechnik, Logistik und Barcode interessiert.

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