Der Barcode wird 70 Jahre alt

Wussten Sie, dass der Barcode im selben Jahr erfunden wurde, in dem auch die Bundesrepublik Deutschland gegründet würde? Am 20. Oktober 1949 reichten zwei US-Amerikaner das Patent für den Strichcode ein. Erteilt wurde es 1952. Aber erst über 20 Jahre später kam der Barcode dann erstmals an einer Supermarkt-Kasse zum Einsatz! Ab da entwickelte sich die Bedeutung von Barcodes rasant weiter. Nur die einstigen Erfinder sind eher die Pechvögel in dieser Geschichte …

Wer hat’s erfunden?

Zurück zum Anfang: Es war noch 1948, als Bernard Silver – damals Physik-Dozent an der Drexel University in Philadelphia – das Gespräch eines Dekans mit dem Leiter einer Supermarktkette überhörte. Der Unternehmer war auf der Suche nach einer Lösung, um Produktinformationen an der Kasse automatisch einlesen zu können. Den fehlenden Überblick bei der Lagerhaltung sowie den hohen Personalaufwand und die vielen Fehler beim manuellen Eintippen war er nämlich leid.

Die Hochschule lehnte die Forschungsbitte kurzerhand ab. Silver hingegen fand das Thema spannend und erzählte seinem Kollegen und Freund Norman Joseph Woodland (seinerseits Maschinenbau-Dozent) davon. Gemeinsam entwickelten sie zunächst verschiedene Systeme, die sich für den Masseneinsatz jedoch als nicht praktikabel erwiesen.

Angeblich kam Woodland die entscheidende Idee bei einem Strandbesuch: Mit seinen Fingern malte er eine Art Morse-Code in den Sand. Die Punkte und Striche verlängerte er dann zu Linien. Müsste es nicht möglich sein, solche Muster mithilfe eines visuellen Lesegerätes automatisch erfassbar zu machen?

Heutzutage kommen u.a. solche Barcode-Scanner zum Einsatz, die Strichcodes mittels (Infra-)Rotlicht maschinell erfassen und in elektrische Signale umwandeln

Der Ur-Barcode – fast wäre er kreisförmig geworden

Der erste Barcode bestand aus vier weißen Strichen auf schwarzem Untergrund. Der erste Strich war eine Datumslinie, auf die sich die Positionen der anderen drei Striche bezogen. Je nachdem, ob ein Strich vorhanden war oder nicht, wurden bestimmte Informationen dargestellt. Bei vier Strichen ließen sich so bis zu 7 verschiedene Artikelklassen codieren, bei 10 Strichen bis zu 1023.

Um ein Haar wären Barcodes vielleicht rund geworden, denn Woodland und Silver entwickelten auch eine Variante, bei der die Striche als konzentrische Kreise unterschiedlicher Dicke angeordnet waren. Diese Form wurde später jedoch verworfen, weil sie ineffizient war.

Millionen-Deal verpasst: Erfinder waren ihrer Zeit voraus

Wer hätte geahnt, dass die neuartige Codierung später einmal in der gesamten Handels-, Logistik- und Industriewelt unverzichtbar sein würde? Leider fehlte damals noch die nötige Technologie zum fehlerfreien, automatischen Auslesen der Strichcodes. Dafür hätte es extrem helle Lampen gebraucht, die noch kein Hersteller auf wirtschaftliche Weise liefern konnte.

1962 verkauften Woodland und Silver das Patent für „nur“ 15.000 US-Dollar an ein Elektronikunternehmen. 1969 lief das Patent schließlich aus. Ins Rollen kam die Sache erst mit der Weiterentwicklung der Lasertechnologie, die in den 1960er Jahren Schwung aufnahm. Bernard Silver konnte davon kein Zeuge mehr werden: 1963 starb er tragischerweise bei einem Autounfall.

Woodland hingegen nahm später noch eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung eines Barcode-Standards ein. Er verstarb 2012 im Alter von 91 Jahren.

Erster Kassen-Scan im Jahr 1974: Kaugummi

Anfang der 70er Jahre verlangte der amerikanische Lebensmittelhandel nach einheitlichen Standards für den automatischen Warenscan an Supermarktkassen. Die Lösung kam in Form des Universal Product Codes (UPC), entwickelt vom IBM-Ingenieur George J. Laurer.

Am 26. Juni 1974 wurde zum ersten Mal ein Produkt mit Barcode an der Kasse eingescannt: eine 10er-Packung „Wrigley’s Juicy Fruit“ Kaugummi, verkauft in einem Supermarkt in Ohio.

Der UPC kommt heute noch – vornehmlich in den USA – zum Einsatz. International hat sich darüber hinaus der ihm verwandte EAN13 Barcode durchgesetzt.

Barcodes im industriellen Umfeld

Nicht nur im Einzelhandel sind Barcodes nach wie vor omnipräsent. Auch in der Logistik und in Produktionsprozessen sind sie nicht mehr wegzudenken. Im Rahmen von Industrie 4.0 Projekten dienen Barcode-Etiketten zum Beispiel der Kennzeichnung von Werkstücken entlang automatisierter Materialflüsse.

Weil immer mehr Daten auf immer kleineren Flächen untergebracht werden müssen, sind Barcodes schon längst nicht mehr nur eindimensional. Seit Ende der 80er Jahre werden auch zweidimensionale Codes wie der Data-Matrix-Code oder der QR-Code industriell verwendet. Sie codieren Informationen über zwei Richtungen und werden mit Kamerascannern ausgelesen.

Welche wichtige Rolle Barcodes heute und zukünftig in der „digitalisierten Produktion“ spielen, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Whitepaper:

Whitepaper zur Digitalisierung in der industriellen Produktion

 

Natalie Iwantschew

arbeitet seit 2016 im Fachbereich Online-Marketing bei Bluhm Systeme, wo sie unter anderem den internationalen Webauftritt www.bluhmsysteme.com betreut. Im Bluhm Blog berichtet sie über Wissenswertes zur industriellen Etikettierung, Inkjet-Kennzeichnung und Laserbeschriftung.
Natalie Iwantschew

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?

Abonnieren Sie unseren Newsletter, um monatlich die besten Artikel per E-Mail zu erhalten:

Unser Newsletter enthält Informationen zu unseren Produkten, Angeboten, Aktionen und unserem Unternehmen. Sie können sich jederzeit wieder austragen, etwa über den "Hier abmelden"-Link in jedem Newsletter. Hinweise zum Datenschutz, Widerruf sowie Erfolgsmessung und Protokollierung erhalten Sie hier.

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.