Tinten-Check: die richtige Inkjet Tinte für Ihren industriellen Tintenstrahldrucker

„Mit einem Wisch ist alles weg“ – dieses Werbeversprechen des Zewa Haushaltstuchs kennen wir alle. Aber nicht immer ist es gewollt, dass alles mit einem Wisch weg ist. Kennzeichnung auf Produkten und Verpackungen soll möglichst haltbar haften. Schnelles Wegwischen unerwünscht!
Doch angesichts der Vielfalt an Tinten für den Direktdruck gar nicht so einfach, die passende Tinte zu finden. Schließlich ist nicht jede Inkjet Tinte für jedes Material und jede Kennzeichnungsanwendung gleich gut geeignet…

Welche die richtige Tinte ist, hängt von dem Material und der jeweiligen Anwendung ab.
Nicht jede Tinte ist zum Beschriften jedes Materials geeignet.

Welche der Inkjet Tinten ist die Richtige?

Um herauszufinden, welche Inkjet Tinte am besten für Ihre Anwendung geeignet ist, helfen folgende Fragen:

Welches Drucksystem kommt für meine Anwendung in Frage?
Thermischer Tintenstrahldrucker bzw. Drop-On-Demand-Drucker oder Continuous Inkjetdrucker? Nicht jede Tinte ist für jeden Inkjet-Drucker geeignet bzw. nicht jeder Drucker kann jeden Tintentyp verarbeiten.
Lesen Sie hierzu auch den Blogbeitrag „So finden Sie den passenden Inkjet Drucker“, in dem die Technologien Thermischer Inkjetdruck und Continuous Inkjetdruck gegenübergestellt werden.

Welches Material soll bedruckt werden bzw. wie sind Farbe und Beschaffenheit der zu bedruckenden Oberfläche?

  • Karton, lackierter Karton, Kunststoff (welcher ?), Glas, Holz, Keramik usw.
  • glatt, semi-saugfähig, saugfähig
  • weiß, schwarz, farbig, hell, dunkel
    Für das Drucken auf Kunststoff kommen schnell trocknende Tinten zum Einsatz.

    In diesem Zusammenhang ist auch der Zustand des Produktes wichtig: Ist es nass, tiefgefroren, ölig, staubig, …?

Wie schnell muss die Tinte nach dem Druck trocknen?
Wird das Produkt unmittelbar nach dem Druck verpackt? Kommt der Druck nach dem Druckvorgang mit etwas in Kontakt? Wieviel Zeit liegt dazwischen?

Welche Eigenschaften muss der Druck im Zusammenhang mit der späteren Anwendung erfüllen?
Ist der Druck später zum Beispiel Wind und Wetter ausgesetzt?
Muss er besonderer mechanischer Beanspruchung standhalten? Oder Seewasser-, Temperatur- oder UV-beständig sein? Kommt der Inkjet-Druck später mit Chemikalien, Öl oder ähnlichem in Kontakt?

Wasserbasierte, lösemittel- oder ölhaltige Inkjet Tinten

Die für den industriellen Inkjetdruck zur Verfügung stehenden Tinten lassen sich grob in drei Hauptkategorien unterteilen:

  • wasserbasierte Tinten
  • lösemittelbasierte Tinten
  • ölhaltige Tinten

Wasserbasierte Tinten

Wasserbasierte Tinten bestehen aus Wasser und Farbstoff, welcher vollständig im Wasser aufgelöst ist. Sie haben eine längere Trocknungszeit. Wasserbasierte Tinten ermöglichen sehr gute Drucke. Jedoch sind die Drucke nicht besonders lichtbeständig und nicht wasserfest. Sie eignen sich somit nicht gut für das Bedrucken von Produkten, die später im Außenbereich sind.

Lösemittelbasierte Tinten

Lösemittelbasierte Tinten enthalten entweder ein Wasser-Alkohol-Gemisch, Alkohol oder ein anderes Lösemittel wie Methylethylketon (MEK). Sie  haben kurze Trocknungszeiten und haften gut, weshalb sie in der Regel insbesondere für das Bedrucken von glatten Materialien wie Kunststoff, Glas oder Metall zum Einsatz kommen.

Ölhaltige Tinten

Ölhaltige Tinten sind für das Bedrucken extrem saugfähiger Oberflächen wie Holz, Stein, Styropor oder Karton geeignet. Für diese Tinten sind aufgrund ihrer Zusammensetzung nur Großschriftdrucker geeignet, da hier in den Druckköpfen größere Düsen sind.

Farbstofftinten oder pigmentierte Tinten – Was ist der Unterschied?

Farbstofftinten enthalten in Wasser lösliche Partikel, pigmentierte Tinten unlösliche Pigmente. Das ist auch der Grund, weshalb pigmentierte Tinten in der Regel umgerührt werden müssen. Andernfalls würden sich die Pigmente absetzen. Für das Drucken mit pigmentierten Tinten gibt es deshalb Tintenstrahldrucker, die die Tinte in Bewegung halten. Bei einigen Tintenstrahldruckern wie denen der Linx 89er Serie wird die Tinte allein durch den automatischen Tintenfluss gemixt. Andere arbeiten mit mechanischem Rührwerk.

Auf dunklen und farbigen Materialien erzielen pigmentierte Tinten kontrastreiche Drucke
Pigmentierte Tinten für kontrastreiche Drucke auf dunklen und farbigen Materialien

 

Farbstofftinte Pigmentierte Tinte
Basis
  • Gelöste Farbstoffe
  • Pigmentpartikel, die sich nicht auflösen
Farben
  • Großes Farbspektrum für verschiedene Anwendungen, in der Regel dunklere Farben (schwarz, grün, blau, braun)
  • Geringere Farbauswahl, eher hellere Farben (weiß, opak, grau, gelb…)
Haltbarkeit der Drucke
  • geringere Licht- und Wasserbeständigkeit
  • hervorragende UV- und Wasserbeständigkeit
  • sehr beständig gegen Wärme und Chemikalienspritzer
  • gute Wischfestigkeit
Haltbarkeit der Tinten

(abhängig von Tintentyp und Hersteller)

  • bis zu 9 Monate

 

  • bis zu 24 Monate
Verarbeitbarkeit
  • Tinte muss regelmäßig gerührt werden, da sich sonst Pigmente absetzen
Einsatzgebiete
  • Besonders geeignet für kontrastreiche Drucke auf hellen Materialien
  • Klassische Anwendungsgebiete: Lebens- und Genussmittelindustrie, Getränkebranche Pharma- und Kosmetikindustrie
  • Besonders geeignet für hervorstechende Drucke auf dunklen und farbigen Materialien
  • Typische Einsatzgebiete: Automotive, Elektronikindustrie Kunststoffindustrie

Spezial-Tinten für besondere Anwendungen

Die Einsatzgebiete für Tinten sind vielfältig und nicht selten müssen die Tinten ganz besondere Anforderungen erfüllen. Wir können an dieser Stelle nicht alle Tinten ansprechen, möchten Ihnen aber exemplarisch vier Spezial-Tinten vorstellen:

  • UV-Tinten
  • Lebensmitteltinten
  • Autoklaven feste Umschlagstinten, thermochrome Tinten
  • abwaschbare Tinten

UV-Tinten – unsichtbar und doch sichtbar

Bei manchen Anwendungen müssen Kennzeichnungen an den Produkten aufgebracht werden, die jedoch nicht jeder sofort sehen soll oder die die Optik des Produktes beeinträchtigen sollen. Dies kann mit UV-Tinten gelöst werden.
Der Glasproduzent HNG Global GmbH beschriftet alle Glasbehälter und -flaschen, die er für die Lebensmittelindustrie produziert, mit einer Chargenkennzeichnung. Denn alle Bestandteile und Zutaten, die in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden, müssen lückenlos zurückverfolgt werden können. Damit es später keine Verwechslungen mit der Chargennummer des Lebensmittelproduzenten gibt, druckt HNG die Chargennummer mit UV-Tinte auf den Glasboden auf. Diese ist mit bloßem Auge unsichtbar, wird aber unter UV-Licht sichtbar.

Hier kommt sogar noch eine Besonderheit dazu. Da die Flaschen recycelt werden, hält der Aufdruck mindestens 12 Monate und überlebt auch einen Spülvorgang mit einer 78 Grad Celsius heißen Natronlauge.

Unsichtbare UV-Codierungen findet man übrigens aus Gründen der Rückverfolgbarkeit auch auf den Gummiseilen, die die Andreas Neumann GmbH fertigt. Diese erhalten alle 15 cm eine Chargenkennzeichnung. Der Vorteil: Die UV-Tinte „funktioniert“ auf den vielen verschiedenen und zum Teil sehr grellen Seilfarben, das heißt mit einer Schwarzlichtlampe wird sie problemlos sichtbar.
Gleichzeitig stört sie nicht die Optik. Mehr über die Anwendung erfahren Sie hier.

Neben der unsichtbaren UV-Tinte gibt es auch noch eine sichtbare fluoreszierende UV-Tinte. Beiden Tintenarten werden auch zum Produktschutz bzw. Fälschungssicherheit eingesetzt. Bei der sichtbaren UV-Tinte kann der Druck zum Beispiel schwarz sein, ändert aber unter UV-Licht die Farbe.

Lebensmitteltinte – Tinten für den Lebensmittelbereich

Im Lebensmittelindustrie ist es wichtig, dass alle dort eingesetzten Produkte für die menschliche Gesundheit unbedenklich sind. Das gilt auch für die Tinten, die für das Kennzeichnen von Lebensmitteln oder deren Verpackungen zum Einsatz kommen. Für das direkte Drucken von Informationen auf Nahrungsmittelverpackungen, Lebensmitteln selbst oder auch hofverpackte Eier gibt es spezielle lebensmittelechte Tinten. Sie sind übrigens auch für die Pharmabranche zugelassen und entsprechen den Vorschriften der US-Bundesbehörde zur Überwachung von Nahrungsmitteln und Arzneimitteln (Food and Drug Administration FDA) sowie der Europäische Union (EU). Da es dennoch länderspezifische Abweichungen bei den Vorschriften gibt, sollte der Einsatz von bestimmten Tinten immer vorab mit der jeweiligen Behörde abgeklärt werden.

Temperaturempfindliche Tinten

Es gibt auch Tinten, die auf Temperaturveränderungen reagieren und dann die Farbe verändern. Thermochrome Tinten zeigen zum Beispiel an, ob eine Konserve eingekocht ist oder nicht. Die ursprünglich schwarze Farbe schlägt dann durch die Hitze beim Einkochen beispielsweise in blau um. So ist nachvollziehbar, welche Konserve bereits eingekocht wurde und welche nicht. Wie das aussehen kann, erfahren Sie in dem pdf Anwenderbericht Kelles Suppenmanufaktur.

Thermochrome Tinte – vor dem Einkochen ist sie schwarz….
…durch die Hitze schlägt die Farbe in blau um.

Abwaschbare Tinten

In der Getränkeindustrie gibt es einen hohen Anteil an Mehrwegflaschen oder Recycling-Flaschen, die später  wieder zurückgeführt, gereinigt und neu befüllt in den Handel kommen. Bei Mehrwegflaschen müssen die MHD- und Chargenkennzeichnung einen Recyclinglauf halten, aber gleichzeitig auch abwaschbar sein. Für solche Fälle gibt es abwaschbare Tinten.

Inkjet-Drucker „kontrollieren“ Tinten

Wussten Sie übrigens, dass manche Drucksysteme die Tinten „kontrollieren“, um eine möglichst hohe Druckqualität zu erzielen?
Bei den Linx Tintenstrahldruckern sorgt die elektronische Viskositätskontrolle für gleichbleibend gute Druckqualität. Dabei kontrolliert wird am Druckkopf die Zähflüssigkeit der Tinte
kontrolliert, indem die Flugzeit des Tintenstrahls überwacht und erfasst wird. Schwankende Temperaturen in der Produktionsumgebung werden berücksichtigt.
Andere Drucker wie die thermischen Inkjet-Drucker von Markoprint verfügen über eine SmartCard Kartuschenüberwachung, die alle Tintenparameter kontrolliert. Das System fragt den aktuellen Tintentyp ab, erkennt die entsprechenden Parameter automatsich und stellt sich ein. Dadurch sind optimale Druckergebnisse sichergestellt.

Noch ein Tipp zum Schluss

Wenn Sie möchten, dass Ihr Tintenstrahldrucker auch in Zukunft zuverlässig und in gewohnt guter Qualität druckt, verwenden Sie nur Original-Tinten des Herstellers und keine Fremdtinten.

 

 


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Selma Kürten-Kreibohm

verantwortet seit 2007 den Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Bluhm Systeme und schreibt in ihrer Funktion als Redakteurin über Themen aus der Welt der Kennzeichnung.

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