Wirksam gegen Fälschungen

Siegel, Sicherheitsetikett und Serialisierung

600 Milliarden Euro Schaden entstehen nach Schätzungen von Experten jedes Jahr durch Plagiate. Allein die deutschen Maschinenbauer melden einen Verlust von jährlich rund 6,4 Milliarden Euro durch Fälschungen. Nur eine intelligente Kennzeichnung von Produkt und Verpackung bietet Schutz vor Fälschungen und bringt Klarheit, ob es sich um ein Original handelt – und das über die gesamte Lieferkette, vom Hersteller bis zum Konsumenten.

Vom kleinen Bauteil bis zum fertigen Produkt bleibt nichts vor den Fälschern sicher. Für den Konsumenten kann das gefälschte Produkt im schlimmsten Fall gesundheitliche Konsequenzen haben oder sogar das Leben kosten, z.B. bei Medikamenten oder Flugzeug- oder Autoteilen. Und der Original-Hersteller? Er sieht sich unter anderem mit Umsatzrückgang, Imageverlust oder gar unberechtigten Produkthaftungsklagen konfrontiert, bei denen er in der Beweislast ist. Neben Aufklärungsarbeit und juristischer Verfolgung übernehmen spezielle Sicherheitstechniken auf Produkt-, Verpackungs- und Logistikebene wichtige Funktionen im Kampf gegen die Fälscher: eindeutige Identifikation, Produktrückverfolgung, Kopierschutz und Sicherung des technischen Know-hows.

Banknoten als Vorbild
Wie aber sehen diese Sicherheitstechniken nun konkret aus? „Es gibt viele Möglichkeiten und einige davon kennt jeder von uns“, weiß Kurt Hoppen, Mitglied der Geschäftsleitung des Kennzeichnungsanbieters Bluhm Systeme. „Das wohl bekannteste Beispiel sind Banknoten. Denn diese enthalten eine Vielzahl von versteckten und sichtbaren Sicherheitsmerkmalen, wie z.B. das Hologramm, welches durch Kippen die Farbe wechselt.“

Grundsätzlich lassen sich die Schutzmaßnahmen in drei Kategorien unterteilen:
1.    Versiegelung als Erstöffnungsschutz
2.    Sicherheitsmerkmale
3.    Unikatmerkmale

Die einzelnen Sicherheitsmerkmale können dann entweder offen (overt), das heißt sichtbar, oder verdeckt (covert), also unsichtbar sein und – ähnlich wie bei den Geldscheinen  – mit oder ohne Hilfsmittel verifiziert werden.

Zu den offenen Merkmalen gehört der Erstöffnungsschutz auf der Verpackung. Das sogenannte „Tamper Evident Safety Seal“ (Originalitätsverschluss) zeigt sofort jedem in der Lieferkette an,ob die Verpackung unerlaubt etwa während des Transportes oder im Laden geöffnet wurde. Hier kommen z.B. VOID-Siegeletiketten zum Einsatz: Beim Öffnen bzw. beim Versuch, das Siegel zu entfernen, wird die Kleberschicht sichtbar zerstört und es erscheint ein Warnhinweis. Alternativ gibt es auch Etiketten, bei deren Abziehen das Obermaterial zerstört wird, etwa durch den Bruch einer metallisierten Polyesterfolie. Sie hinterlässt dann eine lesbare Kennung auf dem Untergrund. Eine ähnliche Wirkung haben intensive Kleber oder Sicherheitstanzungen – das Etikett ist unwiederbringlich und offensichtlich zerstört.
Solche Siegeletiketten werden zum Beispiel von Polizei und anderen Ämtern eingesetzt, finden aber auch in Industriebereichen Anwendung. Die Rheinmetall Pyrotechnik GmbH setzt Siegel-Etiketten ein, um Knallkörper damit zu sichern. Die Etiketten aus spezieller PE-Folie werden im konkreten Fall vor dem Versiegeln sogar noch mit einem Thermotransferdrucker mit den nötigen Informationen wie Sicherheitshinweisen, Losnummer und Haltbarkeitsdatum bedruckt. Und auch die Alpha Simplex Armaturen und Systeme GmbH schützt ihre Ware, indem sie den Verkaufskarton mit einem übereck aufgebrachten Siegeletikett sichert.

Integrierte und aufgedruckte Sicherheit
Bei der zweiten Kategorie, den Sicherheitsmerkmalen, wird zwischen Druck- und Vorstufentechniken, Farben, Elementen und haptischen Elementen unterschieden.
Zu den drucktechnisch erzeugten Elementen zählen beispielsweise Guillochen, das sind verschlungene Linien, Microtexte und -linien sowie das Sicherheits-Moirée. Bei diesem werden Texte erst mit den passenden Moirée-Filtern sichtbar.
Auch können spezielle Farben wie Kippeffektfarben (verschiedene Farbtöne je nach Blickwinkel), thermochrome Farben (Farbveränderung durch Wärme- oder Kälte-Einwirkung) oder UV-Farben (Farbe nur unter UV-Licht sichtbar) eingesetzt werden. Die HybrisafeReactive-Ink ist zunächst nicht erkennbar auf dem Original-Etikett oder der Verpackung. Nur durch das Reiben mit einer Münze und nicht durch andere Gegenstände verändert sich die Oberfläche und es kommt ein Logo oder ein bestimmter Text zum Vorschein. Dieses Sicherheitsmerkmal wird beispielsweise im Pharma-Bereich eingesetzt, damit auch der Patient einfach überprüfen kann, ob er es mit einem Original zu tun hat.

Zu den Sicherheits-Elementen  gehören neben den allseits bekannten Hologrammen beispielswiese auch in das Etikett eingelassene elektromagnetische Komponenten. Dazu zählt der Microwire, eine haardünne glasummantelte Metall-Legierung, ab 6 µm Durchmesser. Von außen nicht sichtbar, kann ihre Anwesenheit mit Hilfe eines speziellen Lesegerätes geprüft werden.
Mit bloßem Auge unsichtbar sind auch sogenannte Micro-Farbcodes, die in das Produkt- oder Verpackungsmaterial eingebracht oder auf das Etikett aufgedruckt werden. Zu den haptischen Elementen zählen Prägungen in Form eines fühlbaren Reliefs, die sich auch auf Banknoten finden.

Identifikation über Individualisierung und Unikatsmerkmale
Gängige Praxis ist es bereits, mit Klartext, Barcodes und Datamatrix-Codes oder RFID ein Produkt zu serialisieren. Mit Hilfe der weltweit einmaligen Seriennummer kann dann eine datenbankgestützte Echtheitsprüfung erfolgen. Aktuell gibt es im Pharmabereich die EU-Richtlinie 2011/62/EU, die sich mit dem Thema „Verhinderung des Eindringens von gefälschten Arzneimitteln in die legale Lieferkette“ beschäftigt  und eine eindeutige und sichere Kennzeichnung von Arzneimittelverpackungen unter anderem durch Serialisierung vorsieht. Als serialisierter Code kommen im konkreten Fall der GS1 Datamatrix oder der von der Initiative Securpharm (Zusammenschluss von Apotheker- Arzneimittelhersteller und Pharmagroßhändlerverbänden) entwickelte Code in Frage, der unter anderem die PPN-Nummer (Pharmacy Product Numer) der deutschen Vergabestelle der IFA (Informationsstelle für Arzneispezialitäten) enthält. Auch soll die Verpackung ein „Tamper Evident“ Sicherheitselement erhalten, anhand dessen  die Unversehrtheit geprüft werden kann.
Unikatsmerkmale funktionieren ähnlich wie ein Fingerabdruck, denn mit ihrer Hilfe lassen sich Produkte identifizieren. Die Universität Bayreuth hat das Konzept eines „künstlichen Fingerabdrucks“ entwickelt, der eine besondere 3-dreidimensionale Oberflächenstruktur auf Verpackungen oder Etiketten voraussetzt: Die gleichmäßige Wellenstruktur wird durch natürliche, individuelle Fehlstellen unterbrochen, die mit einem Scanner eindeutig erkannt werden können.
Besonders interessant ist ein Konzept, dem ein schon lange bekannter Effekt zugrunde liegt und das von zwei Fraunhofer-Institute umsetzungsreif weiterentwickelt wurde: Die Faserstruktur einer Papieroberfläche ist an jeder Stelle immer so individuell, dass sie einem natürlichen Fingerabdruck entspricht. Bei der Produktion eines Produkts wird die Oberflächenstruktur an einer geheimen Stelle der Verpackung digitalisiert und mit dem variabel aufgedruckten serialisierten Datamatrix-Code in einer Datenbank gespeichert. An jeder Stelle der Lieferkette bis hin zum Konsumenten kann nun die Übereinstimmung mit dem Original überprüft werden.

Serialisierung mit System
Für die Umsetzung der Serialisierung stehen verschiedene Kennzeichnungstechnologien zur Verfügung. Neben verschiedenen Inkjetverfahren sind auch der Thermotransferdirektdruck sowie Laser zum Aufbringen der serialisierten Codes auf Etiketten oder Produkte geeignet. Auch RFID-Technologie kann hier eingesetzt werden. „Wann welche Technik sinnvoll ist, hängt immer von der jeweiligen Anwendung ab“, so Kurt Hoppen. „Thermotransfer-Direktdrucker zum Beispiel sind für die direkte Beschriftung von Verpackungsfolien in  einer Verpackungsmaschine geeignet, während beispielsweise im Pharmabereich insbesondere thermische Tintenstrahldrucker Anwendung finden, da sie auch bei hohen Bandgeschwindigkeiten hervorragende Druckergebnisse abliefern.“ Der Tintenstrahldrucker der Serie Markoprint iJET ist beispielsweise in der Lage 36.000 individuelle Bar- oder Datamatrixcodes pro Stunde, das sind 10 pro Sekunde, zu drucken. Je nach Anwendung sind sogar höhere Geschwindigkeiten von 25 Drucken pro Sekunde möglich.

Fälschungssicherheit = die Summe aller Teile
Erst die Kombination verschiedener Sicherheitstechniken ist ein effektiver Schutz vor Fälschungen und ermöglicht es, Originale auch als solche zu identifizieren. „Deshalb hat Bluhm Systeme in enger Zusammenarbeit mit anderen namhaften Industriepartnern die Sicherheitsarchitektur „HybriSafe“ für Etiketten entwickelt“, erklärt Hoppen. Im Namen verbirgt sich der Begriff „Hybrid“, der für die Kombination der verschiedenen Sicherheitsmerkmale in einem einzigen Etikett steht. Die Etiketten können von den produzierenden Unternehmen in herkömmlicher Weise nachträglich mit variablen Informationen bedruckt werden. Hierbei kann dann vom Anwender als vierte Sicherheitskomponente ein Serialisierungscode aufgebracht werden. „Serialisierung ist ein Trend im Bereich Fälschungsschutz“, so Hoppen. „In Branchen wie der Pharmaindustrie oder im Automobilbereich setzt sich immer mehr ein serialisierter DatamatrixCode durch.“
Außerdem kommen immer mehr sichtbare Sicherheitsmerkmale zum Einsatz, die es auch dem Konsumenten ermöglichen, die Echtheit eines Produktes festzustellen. Und zwar ohne spezielle Hilfsmittel oder mit immer häufiger verfügbaren Mitteln – beispielsweise mit einem Smart Phone.
Aber auch die natürlichen Oberflächenmerkmale sind zunehmend fester Bestandteil bei den heutigen Sicherheitskonzepten.

Selma Kürten-Kreibohm

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