Firma Weber aus Unkel am Rhein liefert Etikettenmaterial für neue DIGITALMARKE der Deutschen Post
Ob sie so wertvoll und berühmt werden wird wie ihre Ur-Ur-Urgroßschwester - die "Blaue Mauritius" - werden wahrscheinlich erst die Philatelisten und Briefmarkensammler der übernächsten Generation entscheiden. Aber eine kleine philatelistische Sensation ereignete sich schon in der Filiale der Deutschen Post im Frankfurter Flughafen in den frühen Morgenstunden des 1. Januar 2004. Denn dort erblickte die erste, digital gedruckte Briefmarke das Licht der Welt. Zugegeben, eine Schönheit ist sie nicht gerade, so ganz ohne farbigen Aufdruck und mit nüchternen Informationen in schwarzer Schrift versehen, erstellt durch einen speziellen Thermo-Laserdrucker auf innovativem Etikettenmaterial. Ins Auge springt aber sofort der große 2D-Barcode, der die kompletten Sendungsinformationen, wie z. B. das Einlieferungsdatum, den Porto-Wert oder entsprechende Briefzusatzleistungen enthält.
Bevor jedoch die so genannte DIGITALMARKE (offizielle Schreibweise in Großbuchstaben und kursiv) in über 2.000 Filialen der Deutschen Post in ganz Deutschland eingeführt werden konnte, mussten u. a. viele Fragen beantwortet und die technische Umsetzung umfangreich getestet werden. Zum Beispiel
> Welchen Zweck soll die neue Marke erfüllen?
> Wie soll die Marke aussehen?
> Wie soll die Marke technisch erstellt werden?
> Welche IT-Schnittstellen sind erforderlich?
> Welche Sendungsinformationen sind auf der Marke unterzubringen?
> Welche Eigenschaften muss das Etiketten-Material haben?
Außerdem gab es noch einige technische und organisatorische Hürden zu meistern.
Die Einführung der DIGITALMARKE ging einher mit dem neuen Servicekonzept der Deutschen Post, den Kunden selbstklebende Briefmarken-Sets zur kleinen Bevorratung anzubieten sowie die Selbstbedienung an den Briefmarkenautomaten zu verstärken. Damit kann die Bedienung an den Verkaufsplätzen schneller und kundenfreundlicher erfolgen.
Auch der logistische Aufwand für die Konfektionierung, den Versand sowie die Lagerung der Briefmarken in den Filialen wird mit der neuen digitalen Briefmarke reduziert. Man bedenke: Briefmarken gibt es in sehr unterschiedlichen Wertstufen für Briefsendungen und Päckchen und stellen in größerer Stückzahlen einen entsprechend hohen Wert dar. Alle Briefmarken sind nicht nur kassentechnisch wie Bargeld zu buchen und abzurechnen, sondern auch entsprechend in Tresoren zu lagern.
Mit der neuen DIGITALMARKE haben die Mitarbeiter in den größeren Filialen jederzeit alle Porto-Werte zur Hand. Ganz egal, ob es sich um die Frankierung von Einschreiben, Infobriefen, Büchersendungen, Briefen oder Päckchen ins Ausland handelt - die richtige Briefmarke ist permanent verfügbar.
Andrea Mendelin vom Sachgebiet "Operative Filialprozesse" der Deutschen Post erklärt: "Zum 1. Januar 2004 haben wir in über 2.000 der größeren Postfilialen spezielle Labeldrucker installiert, die blitzschnell die DIGITALMARKEN ausdrucken können. Diese Erweiterung des bereits an den Verkaufsplätzen vorhandenen Buchungssystems "EPOS" verbessert den Arbeitsablauf bei der Freimachung von Einzelsendung mit und ohne Briefzusatzleistungen (BZL) und führt somit zu einer schnelleren Bedienung der Kunden. An diesen mit Labeldruckern ausgestatteten Verkaufsplätzen müssen daher keine anderen Briefmarken mehr vorrätig gehalten werden, um bestimmte Porto-Werte durch das Aufkleben von mehreren Marken zu erreichen. Für die jeweilige Sendung wird das ermittelte Porto sofort auf einer einzigen Marke abgedruckt. Außerdem sind auch die besonderen Informationen für die BZL, wie Einschreiben oder Rückschein auf der DIGITALMARKE integriert ." Diese integrierten Informationen, die für die Sortierung und Auslieferung benötigt werden, werden zusätzlich in einen EAN 128 Barcode maschinenlesbar aufgedruckt.
Der Wert der DIGITALMARKEN kann in jeder beliebigen Höhe ausgestellt werden. Neben dem Porto-Betrag in Euro sind auch Einlieferungsdatum und postinterne Kennzahlen vermerkt. So können die Barcode-Scanner in den hochtechnisierten Briefzentren in Windeseile die verschlüsselten Daten lesen, die richtige Frankierung kontrollieren und die vollautomatische Sortierung vornehmen, damit die Sendungen dann auf den richtigen Wegen den Empfänger erreichen.
Logisch, dass bei solchen wichtigen Überlegungen nichts dem Zufall überlassen werden konnte. Auch das Etikettenmaterial für die DIGITALMARKE muss besondere Anforderungen erfüllen - also genau die richtige Aufgabe für die Etikettenspezialisten der Fa. Weber aus Unkel am Rhein.
Uwe Krüger, Key Account Manager der Fa. Weber erläutert: "Die Deutsche Post hatte sehr detailliert beschrieben, welche speziellen Eigenschaften das Etikettenmaterial für die DIGITALMARKE erfüllen muss, damit auch alle anderen IT-Systeme der postalischen Logistik-Kette die aufgebrachten Barcodes auch weiterverarbeiten konnten.
Es musste eine geeignete Oberfläche vorhanden sein, damit die Barcode-Scanner optimale Lese-Voraussetzungen finden. Weiterhin sollte das Etikett über einen besonderen Kleber verfügen, der permanent auf einer möglichst breiten Palette von Untergrundmaterialien haftet."
Die Fa. Weber hat die Ausschreibung der Deutschen Post gewonnen und den Lieferauftrag für die Etiketten, die allen geforderten Kriterien entsprechen, erhalten.
Für eingefleischte Philatelisten hat die neue DIGITALMARKE gegenüber der heiß geliebten und oft bewunderten blauen 2-Pence-Ur-Ur-Ahnin aus dem fernen indischen Ozean schon gewisse Nachteile. Aber auch alles Neue hat wohl seinen Reiz und die Sammelleidenschaft der Menschen war schon immer sehr breit gefächert.
Seinerzeit erteilte der koloniale Postamtsdirektor Mr. James Stuart Brownrigg den Auftrag zur Gravur der Stempelplatten nur mündlich an Mr. Joseph Barnard. Sie verständigten sich unter anderem darauf, dass jeweils 500 Stück der 1-Penny- und 2- Pence-Marke herzustellen. Die Briefmarken erhielten die Aufschriften "Penny" und "Post Paid", was 'die Post wurde bezahlt' heißt. Mr. Barnard merkte sich jedoch nicht den genauen Wortlaut des mündlichen Auftrags und versah die Druckplatten beim Stechen mit der falschen Inschrift. Anstelle der richtigen Angabe "Post Paid", versah er die Platten mit der Inschrift "Post Office" was 'Postamt' bedeutet. Er gravierte die beiden Werte auf eine einzige Kupferplatte und die Marken wurden eine nach der anderen gedruckt. Die Inschrift "Post Office" ist auf keiner anderen Marke der britischen Kronkolonie Mauritius zu finden.
Heutzutage werden alle erforderlichen Daten und Informationen im "Handumdrehen" per PC "garantiert richtig" auf die DIGITALMARKE gedruckt. So ein kleine Fehler, wie er 1846 auf Mauritius passiert ist, dürfte somit fast ausgeschlossen sein.





